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2014 : Strategische Allianzen / Code versus Autonomie – Konzept und Disorder

Lieber agitatorisch als altruistisch: Nicht objektiv-didaktisches Sendungsbewusstsein oder mildtätiges Engagement ist Motivator für alle Kunstvermittlungsprojekte des TANKs und der GrafZyxFoundation, sondern unverblümtes Lobbying für die uns seit je fesselndste Sache – die trans- und multimediale Projektkunst – und der Ausgleich hartnäckiger Schieflagen in ihrer Rezension und damit Rezeption. 2014 bilden wir zu diesem Zweck

»Strategische Allianzen«

Denn 1.:
Temporäre Bündnisse einzufädeln mit Künstlern, denen wir uns im Hinblick auf die grundlegenden künstlerischen Intentionen verwandt fühlen, kann die Wahrnehmung dieses Bereichs im Kunstbetrieb verstärken.
Und 2.:
Rezipienten reagieren gemäß ihren persönlichen Vorlieben medienspezifisch.
Die Umsetzung ähnlicher künstlerischer Ziele in mehreren Medien muss deshalb ein logistisches Erfolgsmodell für den Transfer künstlerischer Absichten sein.
2014 beobachten wir daher gezielt Künstler mit ähnlicher formaler und inhaltlicher Programmatik, die sich in der Realisation aber ganz unterschiedlicher Medien bedienen, und aktivieren so die subjektiv divergent ausgebildeten Antennen der Rezipienten.

»Code versus Autonomie – Konzept und Disorder«

Auf der einen Seite kennen wir eine von Konzepten und Theorien ausgelöste und geprägte Kunst – meist eine Kunst der verschlüsselten Botschaften und Kampagnen, die sich dem jeweils den Entscheidungsträgern mehrheitlich gemeinsamen, unausgesprochenen aber dennoch überraschend klar zu beschreibenden Definitionscode dessen, wie Kunst (oder auch gleich die ganze Welt) gerade zu sein hat, wie einem Modetrend anpasst bis unterwirft. Hier wird stets nach dem erleichtert verstehenden Applaus der 'breiten Masse' der Rezipienten und Sponsoren geschielt. Betont konzeptuelle Ansätze erleichtern zudem den überwiegend unkünstlerischen, auf rein intellektuelle Analyse und Interpretation verarmten Zugang des aktuellen kuratorischen Personals fast aller relevanten Häuser zum Künstler und seiner Arbeit.
In diesem Feld interessieren uns allerdings nur mehr jene Arbeiten, deren Konzepte so genial konstruiert und formuliert sind, dass sie zu einem virtuosen Theorie-Palaver mutieren an der Grenze zur freien Assoziation, zu einer vorwiegend musikalisch genießbaren Abfolge von Worthülsen, einem kulinarisch-pseudologischen und dennoch, ohne Notwendigkeit der Überprüfung seiner Sinnhaftigkeit, auch intellektuell überzeugenden Blendwerk, einem Etwas zwischen Sprach-, Wissenschafts-, Philosophiekunst, bei dem man gern auf die Frage nach der Realisation dieses Konzepts vergisst, weil diese unnötig bis unmöglich wäre. Dieses Etwas genügt künstlerisch sich selbst, provoziert keinerlei Wunsch nach Umsetzung und könnte allenfalls eine Partiturskizze, eine Markierung hergeben für andere, die in Anlehnung, Abgrenzung, Umkehrung oder Ignoranz und Verweigerung des 'Plans' autark bildende Kunst generieren.

Andererseits kämpft sich schon immer eine bewusst autonome Kunst durch, die sich nicht um Mainstreams schert, sich ohne manipulative Hintergedanken aus dem Korsett vorangestellter oder oft auch nachträglich (Kunsttheorie, Masse und Markt zuliebe) konstruierter Konzepte und Codes freischießt zugunsten einer eben gerade verbal nicht plan-, erklär- und analysierbaren, entropischen Manifestation künstlerischen Genies. Sollten dabei neue Mainstreams entstehen, werden sie konsequenterweise sofort wieder verlassen. Diese Bevorzugung des Unangepassten, Unordentlichen bis Chaotischen, Irren und Seltsamen klingt nach Elite und ist auch genau so gemeint.

Da in diese Problematik auch die ewige Frage nach einer besonderen politischen oder sozialen Verantwortung der Künstler der Gesellschaft gegenüber direkt und unvermeidlich hineinspielt, bieten diese beiden fundamental unterschiedlichen und unversöhnlich erscheinenden Positionen ein unerschöpfliches Thema für ein das kommende Jahr kunsttheoretisch begleitendes Fachwerk.