2017 current

StilbruchAG : Phantasie X Nutzen | Jana Wisniewski Josef Wais GRAF+ZYX

 
 

Vernissage: Samstag, 20. April 2013, 18 Uhr

Eröffnung: Mag. Carl Aigner
Direktor des Landesmuseums Niederösterreich

Ausstellung: 21. April bis 12. Mai 2013

Finissage: Sonntag, 12. Mai 2013, 16 Uhr

Specials zur Finissage:

JANA WISNIEWSKI zeigt Hüte, Taschen, Schmuck für Sie und Ihn - Fotofashion für den besonderen Anlass

16:00 bis 17:00 Uhr Video-Screening nonstop
JOSEF WAIS: Videoportrait (11 Min.) von Joerg Burger (Ward-Film, Museum Moderner Kunst Wien, 1986) 
GRAF+ZYX: Videoportrait (18 Min.) aus der Serie »Kunst Können« von Herbert Link (Cinecoop Film Video, Medienservice bm:bwk, 1992) 

17:00 bis 18:00 Uhr Video-Screening 
GRAF+ZYX: When Darkness Comes und andere obskure Dialoge mit der Welt. Musikvideoprogramm (60 Min.)

Mit Förderung durch:
| BKA Kunstsektion | Kultur Niederösterreich | Bildrecht |

Medienberichte 

Eröffnung StilbruchAg : Phantasie X Nutzen 
Opens external link in new windowVideo

Eröffnung StilbruchAg : Phantasie X Nutzen
Opens external link in new windowPresse

Die StilbruchAG  

beschäftigte sich zu Beginn ihrer Tätigkeit programmatisch vorrangig mit der realen Positionierung des österreichischen Künstlermöbels in die normale Wirklichkeit der produzierenden Möbelindustrie. 

Als Medium für die Kommunikation innovativer Formgebung diente das in klassischer Weise überwiegend handgemachte Einzelstück, das bewohn- und auch abwohnbare Kunstobjekt als Prototyp.

Die Mitglieder der StilbruchAG verankerten in der Folge – als Formation und auch als Einzelkämpfer – über zahlreiche Präsentationen sowohl auf Einladung durch wesentliche Player der kommerziellen Möbelbranche [die Wiener Interieur und die Industrielle Möbelfachmesse Salzburg] und in Geschäftslokalen als auch über Ausstellungen im Kunstraum [Künstlerhaus und MAK Wien] das österreichische Künstler­möbel zumindest über den Zeitraum mehrerer Jahre im Bewusstsein auch der jeweiligen Fachmedien.

Die Realität der subversiven Tendenzen

Im Gegensatz zum Uranspruch des Industrial-Designs, das Form, Funktion und Kosten – optimiert und angepasst an die tatsächlichen oder auch nur ängstlich behaupteten Grenzen einer industriellen Serienproduktion – eng verbindet, verschrieben sich die Mitglieder der StilbruchAG bei der Ideenfindung konzeptionell dem Prinzip einer entfesselten Phantasie und entzogen sich dadurch bewusst einer eindeutigen stilistischen und auch inhaltlichen Festlegung und Klassi­fizierung.

Die Gruppe StilbruchAG führte keine zentrale Diskussion über fortschrittliche Wohnkultur, wollte auch nicht die Alltags-Realität in die Kunst einbringen, noch diese künstlerisch erörtern bzw. reflektieren, sondern erarbeitete für sich Strategien, um Möbel­objekte als eine ästhetische Alternative, als Gegenposition zu Einrichtungsgegenständen aus stilistisch geschmackloser Produktion dem Publi­kum anzubieten und diese bewusst künstlerischen Eingriffe in den Alltag wie in die öffentliche Diskussion einzubringen.

Als Umsetzung dieser Arbeitshypothese in die Realität erarbeitete die Gruppe eine Anzahl aufseheneregender Künstlermöbel – Kombi­na­tionen aus ungewöhnlichen Materialien, mit bunten Farben und Mustern genauso wie konstruktive Objekte in depressivem Schwarz – um diese in ausgefallenen Inszenierungen und unter exotischen Mottos wie OpiumBlue Noon · Geblaeute Moebel oder Möbel: Stützkonstruktionen für den alltäglichen Höhenflug zu präsentieren.

Das Interesse der Mitglieder beschränkt sich aber keinesfalls auf die Produktion und Ausstellung irritierender, teilweise ironischer Ob­jekte für den täglichen Gebrauch, sondern erweiterte sich sukzessive auf größere Betätigungs­felder. 
Ihre utopischen, radikalen und zum Teil subversiven Tendenzen führte sie in Solo-Projekte unterschiedlichster Prägung: 
Vom kühl disziplinierten Arbeitsraumdesign – entworfen und gebaut für spezifische innenarchitektonische Situationen [Josef Wais] – über phantasievolles Emotional-Design mit bildhaften und narrativen Bezügen [Jana Wisniewski] bis zum medienübergreifenden elektro­­­dynamischen Raumdesign [GRAF+ZYX].

Opens external link in new windowHomepage der StilbruchAG

Die Ausstellung

Die Ausstellung StilbruchAG : Phantasie X Nutzen stellt (Wohn-)Objekte der Gruppe StilbruchAG aus dem Zeitraum 1986 bis 2013 vor. Ergänzt wird die Präsentation mit dokumentarischen Schautafeln über ihre gemeinsamen Ausstellungen und über die Solo-Werke der Künstler Jana Wisniewski (Künstlerin, Kunstpublizistin und Kuratorin), Josef Wais (Fotografie, Design, Texte und Töne) und GRAF+ZYX (Projekt- und Medienkunst). 

Foto- und Videodokumentationen sowie Medienberichte über Objekt- und Raumgestaltungen der Gruppenmitglieder ergänzen die Schau. 

Diese thematische Präsentation zeigt, wie vielfältig und originär bildende Künstler an der Schnittstelle von Kunst und Design gearbeitet haben. Die Arbeiten reflektieren nicht nur ihren persönlichen künstlerischen Umgang mit dem Zeitgeist, sondern tragen auch durch spielerischen Witz und kritischen Zynismus in ihren Werken zu einem gesellschaftlichen Wandel in der Reflexion von Phänomenen der jeweils aktuellen Kunst bei.

Im Rahmen der Ausstellung werden auch das Videoportrait Josef Wais (11 Min) von Joerg Burger (Ward-Film, Museum Moderner Kunst Wien, 1986) und das Videoportrait GRAF+ZYX (18 Min.) aus der Serie »Kunst Können« von Herbert Link (Cinecoop Film Video, Medienservice bm:bwk, 1992) zu sehen sein.

Die Kataloge

Zur Ausstellung gibt der :[KV-N] zwei Publikationen heraus:

Der erste Band STILBRUCH AG 1987–1991 ist als erweitertes Ausstellungs- und Werksverzeichnis angelegt, ergänzt durch Texte der Gruppenmitglieder aus dieser Zeit.

In Zusammenarbeit mit der Gruppe StilbruchAG entstand so ein Katalog, der die gemeinsamen Ausstellungen und Präsentationen in historisch argumentierender Anordnung dokumentiert, aber auch das Solo-Werk der teilnehmenden Künstler – in den Bereichen Raumgestaltungen und Objektdesign (real und virtuell) – umfassend zeigt. Durch einige ausgewählte Arbeitsproben aus ihren anderen künstlerischen Betätigungsfeldern und Textfragmenten werden den gezeigten Werken ergänzende bzw. neue Sichtweisen zugeordnet.

Auch Zitate aus Presserezensionen zu den Projekten provozieren ein Infragestellen etablierter Perspektiven und so wird die aus persönlicher Sicht komponierte Schau ebenso zu einem objektiver kommentierten Zeitdokument.

STILBRUCH AG 1987–1991

Inhalt:
Stilbruch AG 1987–1991 - Ausstellungen und Präsentationen
1 Stilbruch AG 1988–1991
2 Form Wien 1987
3 Woher wir kommen 1986–1987
GRAF+ZYX · Josef Wais · Jana Wisniewski - Raumgestaltungen und Objektdesign - real und virtuell
4 Jana Wisniewski 1986–2012
5 Josef Wais 1967–2012
6 GRAF+ZYX 1968–2012
Impressum

A4 Querformat
184 Seiten, 4c
ca. 680 Abbildungen
Softcover, Digitaldruck
Deutsch

Publikation 2:
Design Offensive 2013
StilbruchAG : Phantasie X Nutzen | Tank 203.3040.AT

Mit einem Begleittext von Carl Aigner (Dir. Landesmuseum Niederösterreich)
und Beiträgen von Jana Wisniewski, Josef Wais und GRAF+ZYX.

Teil 1: StilbruchAG : Phantasie X Nutzen
Der erste Teil des vorliegenden Bands aus der Reihe der 203.3040.AT-Publikationen Design Offensive 2013 erweitert den 2013 erschienenen Katalog StilbruchAG 1987–1991, der die Entstehungsgeschichte der StilbruchAG, die gemeinsamen Ausstellungsprojekte und die Design- und – dem für die Gruppe fundamental wesentlichen erweiterten Designbegriff entsprechend – multidi- und transsziplinären Solo-Arbeiten der Gruppenmitglieder beschreibt und mit über 680 Abbildungen ausführlich darstellt, um die Dokumentation der Werkschau StilbruchAG : Phantasie X Nutzen im GRAF+ZYX TANK 203.3040.AT vom 20. April bis 12.Mai 2013.
Über die übliche fotografische Dokumentation der Ausstellung hinaus zeigt der Katalog das gesamte Paket an begleitenden Produkten [Künstler- und Ausstellungstransparente], PR-Maßnahmen [Mailings, Einladungen], und Veranstaltungen [Vorpräsentation 2012, Vernissage und Finissage 2013, mit Stills aus den gezeigten Videoportraits] sowie Auszüge aus den die Realraum-Ausstellung erweiternden Websites.

Teil 2: Tank 203.3040.AT 2013
Der zweite Abschnitt – Tank 203.3040.AT – widmet sich mit About und Making-of dem Projektareal TANK 203.3040.AT im konstruktivem Aufbauverlauf selbst und zeigt die Projekträume in neutraler Leere als  – konzeptuell intentiert – mit Kunst zu füllende Behälter.

DESIGN OFFENSIVE 2013

Inhalt:
Tank 203.3040.AT - About und Making Of
Das Eine ergibt das Andere – Rückblick als Ausblick. Zum TANK 203.3040.AT-Projekt von GRAF+ZYX
Carl Aigner
Stilbruch AG : Phantasie X Nutzen
Ausstellung 20/04/2013 bis 12/05/2013
Vorankündigung 14/10/2012
Anhang

A4 Querformat
64 Seiten, 4c
Softcover, Digitaldruck
Deutsch

Die Künstler

JANA WISNIEWSKI

Studium an der Universität für angewandte Kunst in Wien.
Drei Jahre Mitarbeit in der Stadtzeitung Falter und zehn Jahre in der Tageszeitung AZ.
Freie Mitarbeit bei diversen Kulturjournalen und bei den Salzburger Nachrichten für die Bereiche Architektur, Neue Medien und Zeitgenössische Kunst.
Gründung von KunstZeit
Editor von e-motionArtspace
Organisation von Ausstellungen im Bereich Design, Fotografie und Neue Medien und Organisation von Podiumsdiskussionen zum Thema Kunst. 
Beiratstätigkeiten im Bereich Bildende Kunst, Video, Fotografie, Kunst am Bau (BMUKK) und Kunst im öffentlichen Raum (NÖ). 
Drei Jahre Präsidentin der Intakt, drei Jahre Präsidentin der Bundeskonferenz Bildender Künstler Österreichs.
Mitglied im Künstlerhaus Wien (Gesellschaft bildender Künstlerinnen und Künstler Österreichs)

Opens external link in new windowhttp://e-motion-artbook.com
Opens external link in new windowhttp://e-motion-artspace.info
Opens external link in new windowhttp://formwien.com

JOSEF WAIS

Geboren in Pila, Slowakische Republik
Lebt und arbeitet in Wien
Gründung der Fotogalerie Wien
Mitbegründer der Kunsthalle Exnergasse
Mitbegründer des KINOunser
Mitglied der Designgruppe StilbruchAG

Opens external link in new windowhttp://waisart.com

GRAF+ZYX

GRAF
Politikwissenschaft und Publizistik an der Universität Wien
Seit 1977 Fotografie und Film
1980–1985 Universität für Angewandte Kunst in Wien (Meisterklasse Prof. Oberhuber)
1985 Dipl. Mag. art.

ZYX
Ausbildung in klassischer Violine in Wien.
Indische Musik am Instituto Canneti (Dilruba bei Acharya Manfred Junius), Vicenza, Italien
Psychologie und Philosophie an der Universität Wien
Elektronische Musik und Musikproduktion
Seit 1980 experimentelles Video

Seit 1980 ausschließlich gemeinsame Projekt- und Ausstellungstätigkeit unter GRAF+ZYX - Mediensynthetische Programm e in den Bereichen Video- und Computerkunst, Web- und Datenbankdesign und Programmierung, Videoskulptur, Musik und Möbelobjekt
Seit 1985 Mitglieder der Vereinigung bildender KünstlerInnen Wiener Secession (1987–2000 im Vorstand)
1992–1994 Lektorat für Video- und Filmkunst an der Hochschule für künstlerische und industrielle Gestaltung in Linz

Preise
2016 Würdigungspreis des Landes Niederösterreich für Medien- und transdisziplinäre Kunst
1991 Preis der Stadt Wien für Projektkunst
1985 Albert Paris Gütersloh Preis der Hochschule für angewandte Kunst in Wien für den Videoclip Step/4 to Electronic Futurism
1984 Clio Awards Excellence Certificate (Original Music Scoring), New York für die Musik zu Peter Weibels Johnny Filter

Förderungen / Anerkennungen
2010 Poor Cat : Webclip (Musikvideo) nominiert für den »Marianne.von.Willemer.2010-Preis«
2008 Poor Cat : Webclip (Musikvideo) added to the »Rhizome ArtBase«
2005 Nominierung von Hey You V.2.0 (Musikvideoclip) zum »Viper International Award (2006)«
1986 Auftragsarbeit Achtung! Raum-Kontrolle für »Ars Electronica ’86«
1986 Kunstblock, »Das Bild vom Ich, Perspective ’86«, Förderprogramm Art Basel
1983 Eissalon, GRAF+ZYX-Förderkoje der Kunstmesse Köln

Netzpublikationen und Datenbanken [Auswahl]
Opens external link in new windowhttp://grafzyx.at
Opens external link in new windowhttp://elephantsmemory.grafzyx.at
Opens external link in new windowhttp://medienkunst.grafzyx.at
Opens external link in new windowhttp://podcasts.grafzyx.at
Opens external link in new windowhttp://203.3040.at

Das Eine ergibt das Andere – Rückblick als Ausblick

Zum »Tank 203.3040.AT-Projekt« von GRAF+ZYX

Carl Aigner

Am 20. April 2013 eröffnete das Künstlerpaar GRAF+ZYX in Neulengbach bei Wien, ihrem definitiven Wohnort seit 2011, wo sie sich seit 2000 ein neues Domizil aufbauten, den Atelier- und Kunstraum »TANK 203.3040.AT«. Die Zahl 203 figuriert die Hausnummer, die Zahl 3040 die Postleitzahl von Neulengbach. Der Terminus »Tank« skizziert das semantische Feld von Behälter, Behältnis, Panzer bis hin zu Inhaltlichem wie etwa Energie [und assoziiert möglicherweise auch den US-Comic »Tank Girl und dessen SF-Verfilmung von Rachel Talaly 1995]«. Dieses neue, vollständig von GRAF+ZYX konzipierte, finanzierte und gebaute Gebäude sowie dessen gesamte Gestaltung und Innenausstattung, versteht sich nicht mehr als klassisches Atelier, knüpft aber an dessen ursprüngliche Bedeutung von »Werkstatt« an. Im Spannungsfeld von Produktionsstätte, Laboratorium und Präsentationsort, also Ausstellung, richtet sich der Fokus auf eine gesamtkünstlerisch verstandene Arbeitsweise, die von der Idee, der Konzeption, Planung, handwerklicher Realisierung bis hin zur ästhetischen Gestaltung alle Werkprozesse umfasst.

Mit der retrospektiven Ausstellung beziehungsweise Präsentation der »StilbruchAG« wurde dieser Künstlerort im Spannungsfeld von lokal und global nicht nur eröffnet, sondern gleichsam im speziellen Rückblick auf die Projekte der StilbruchAG das Terrain für zukünftige Vorhaben projiziert. Der Name der Rückschau ist »die Formel«, mit der GRAF+ZYX, JOSEF WAIS und JANA WIESNIEWSKI seit den späten 1980er Jahren immer wieder zusammengearbeitet haben. Im Zentrum stand dabei das so genannte »Künstlermöbel«, womit ein interdisziplinärer Brückenschlag zwischen Kunst und Design realisiert wurde.

Die Künstlermöbel waren sozusagen das Amalgam und gleichzeitig auch der »Sauerteig«, mit dem in oft revolutionärer und höchst avancierter Weise jedwede traditionelle Gattungs- oder Genregrenzen definitiv überschritten und überwunden wurden. Seit der Gruppengründung während der inzwischen legendären, von Jana Wisniewski kuratierten Ausstellung »Wohnlust« im Künstlerhaus von 1986/87 und mit den folgenden, immer wieder spektakulären Teilnahmen an verschiedenen kommerziellen und traditionellen Möbelmessen in Salzburg und Wien gelang es der StilbruchAG regelmäßig, die Grenze zwischen Kunst und Alltag zu überwinden. Die im Hinblick auf Aufmerksamkeit und Staunen erfolgreiche Rezeption der selbst gefertigten Künstlermöbel eröffneten nicht nur einen utopischen und subversiven Raum für künstlerisches Gestalten in den 1980er Jahren [und scheiterten weniger an den »Konsumenten« als letztlich an der damals alles andere als mutigen Möbelbranche bzw. deren Produzenten, denn von den KünstlerInnen wurden sehr wohl Serienproduktionen ins Auge gefasst, da sich die Arbeiten nicht im Kunstghetto bewegen sollten], sondern sind signifikant für das künstlerische Selbstverständnis dieses Jahrzehnts generell. Der Name »StilbruchAG« meint eben in durchaus höchst provokanter Weise einen Stilbruch des gängigen traditionellen Verständnisses von »Möbel« und Kunst.

Dabei geht es nicht um einen bloß erweiterten Kunstbegriff, wie er spätestens seit Marcel Duchamp die gesamte Kunstentwickelung des 20. Jahrhunderts charakterisiert [Extended Art, Extended Cinema, Extended Photography etc.], sondern um ein neuerliches Vorhaben, Kunst und Alltag zu verschränken, wie wir es seit dem Bauhaus und der Wiener Werkstätte kennen. Mit dem wesentlichen Unterschied, dass dabei Fragen nach einer skulpturalen, plastischen Qualität ebenso eine Rolle spielen, wie das Aufkommen der Neuen Medien und ihren Anforderungen etwa in ihre formalen Gestaltung und Integration in so genannte Wohnmöbel.

Einsehbar wird dies weniger mit dem in den 1990er Jahren modisch gewordenen Begriff des »Crossover « und der »Vernetzung«. Vielmehr sind es die aufregenden und oft erstaunlichen Künstlerbiographien, die eine wesentliche Grundlage für die neuen Entwicklungen schufen. Paradigmatisch stehen dafür die Lebensläufe von GRAF+ZYX., die nicht mehr mit inter- sondern nur mehr mit transdisziplinär adäquat beschrieben werden können. GRAF, aus Neulengbach stammend, absolvierte verschiedenste Ausbildungen, ehe sie Anfang der 1980er Jahre an der damaligen Hochschule für Angewandte Kunst in Wien bei Oswald Oberhuber studierte und 1985 mit Diplom abschloss. Schon in den späteren 1970er Jahren begann ihre Auseinandersetzung mit Film und Fotografie. ZYX studierte zunächst klassische Violine, indische Musik in Italien, Psychologie und Philosophie an der Universität in Wien, ehe er zu elektronischer Musik und zur Musikproduktion selbst fand; darüber hinaus begann er 1980 mit experimentellen Videoarbeiten.
Seit 1980 arbeiten die beiden ausschließlich zusammen und erweiterten ihr Arbeitsspektrum im Bereich des Bildnerischen von der Photographie, dem Film, der Grafik rasch und radikal: hin zu mediensynthetischen Programmen, Video- und Computerkunst [siehe dazu etwa die Publikation »Computer- Bilder« der »Fotogalerie Wien« 1988], aber auch in Folge im Bereich von Web-Design. Die neue Möglichkeit von Virtuellen Räumen begann, ihr Werk neu zu konstituieren und zu erweitern, wie die »Raumkonstruktionen« in den frühen 1990er eindrucksvoll zeigen. Wie überhaupt neben der Präsentation die zur Eröffnung von »Tank 203.3040.AT« vorgelegte Übersichtspublikation »STILBRUCH AG 1987–1991 die Werke des Künstlerpaares sowie die Arbeiten von Josef Wais und Jana Wiesniewski aufschlussreich vermittelt.

»Man kultiviert das, was man ist«, formulieren es GRAF+ZYX treffend, wenn sie über die Zukunft ihres »TANK« raisonieren und reflektieren. Mit dem Anspruch, die Werke noch immer selbst produzieren zu wollen ist »TANK« einerseits als Künstleratelier konzipiert; andererseits sind im Kontext der heutigen digitalen Vermittlungsinstrumentarien neue Anforderungen und Möglichkeiten gegeben, die das Selbstverständnis des Künstlerischen immer wieder transformieren, insbesondere, wenn man nicht trendorientiert zu arbeiten bereit ist, sondern neues Terrain zu sondieren. Die Öffnung des Ateliers als Schau-Platz für aufregende Kunstprojekte ist ein Weg zur weiteren Transdisziplinarität, das permanente Ausloten der je eigenen künstlerischen Potentiale eine unentwegte Herausforderung an sich selbst als Künstler. Ein polyvalenter Raum als Ort des Künstlerischen, der sich nicht mehr als romantisches Atelier versteht, sondern als Laboratorium des Gesellschaftlichen und Kreativen und dies nicht in einem großen Zentrum, sondern im Zentrum des Regionale und Lokalen – an jenem Ort, wo Egon Schiele mit seiner künstlerischen Radikalität seine ersten großen Werke geschaffen hat – welch ein Kontext, wenn man bedenkt, dass die Zukunft Europas in seinen Regionen liegt, wie es immer nachdrücklicher heißt.

Blickt man heute auf die Werke der StilbruchAG, so ist man erstaunt über die unglaubliche Frische, den Mut, jede Grenze hinter sich zu lassen, den unbändigen Willen, neue künstlerische Kontinente zu erobern und nie in eine ideologische Arbeitsweise zu verfallen. Das sind nicht gerade die schlechtesten Ingredienzien, mit denen GRAF+ZYX ihr »TANK«-Projekt in Fahrt kommen lassen können - die ersten Vorhaben dafür sind schon in Realisierung. Mögen die Ortungen in vieler Hinsicht gelingen, wir benötigen sie notwendiger denn je angesichts globaler Entwicklungen und lokaler Desorientierungen!

CARL AIGNER
1991 Gründung der internationalen Kunstzeitschrift EIKON
seit 1998 Hochschullehrer, unter anderem auch an der Universität für angewandte Kunst Wien
1997–2003 Direktor der Kunsthalle Krems
Projektleiter der Abteilung Kulturwissenschaften an der Donauuniversität Krems
Seit 2001 Direktor des Landesmuseums Niederösterreich
Seit 2005 Präsident des österreichischen Zentrums des International Council of Museums [ICOM-Österreich]
Opens external link in new windowhttp://www.landesmuseum.net

Katalog: Opens external link in new windowGedruckt | Opens external link in new windowals Download